JW BERN: DIE PILZE  (CH,D,A)

jazzwerkstatt band portrait design
Benedikt Reising
as
Xavier Nussbaum
ts
Martin Eberle
tp, flg
Benjamin Külling
p, rhodes
Marco Müller
b
Lukas König
dr

Ohne sich in Schwindel erregenden, grammatikalisch zweifelhaften Nebensatzkonstruktionen zu verlieren, erzählen die Pilze vom Königreich Rench, von einem Gebetsbuch aus grauer Vorzeit, von Rimski Korsakows Entenjagd und von ihrer Idee von Jazz, die man auch ohne weiteres „Taaahhht!!!“ nennen könnte.
Wein beschreibt das Etikett als beerig mit einer Spur schwarzen Pfeffers. Zwar trifft beides auch auf die Pilze zu, doch nähert man sich ihnen eleganter auf anderen Wegen. Wären die Pilze ein Werbespot für den Beruf des Streifenpolizisten, würde dieser wohl lauten: Die Pilze - so direkt wie das Leben. Denn ihre Musik gelangt ohne Umwege über Radiostationen, Fahrstühle oder Daily Soaps direkt irgendwo in die Gegend zwischen Hirnrinde und Beckenboden. Und ihre Musik ist kompakt wie eine Quitte, die Frucht des einfachen Mannes, die sich die feinen Herrschaften gerne als Gelee aufs Brot schmieren. Der Melancholiker verzehrt sie als Quittenbrot, denkt dabei an Weihnachten bei Grossmutter und summt leise „Sele Leondra“ vor sich hin.
Mit jungen Bands ist es ähnlich wie mit alten Küchen. Man sitzt um einen gekachelten Ecktisch und trinkt Kaffee. Man lacht, verdrückt schon mal die ein oder andere Träne, nimmt alles nicht so ganz ernst, tanzt auf dem Tisch und erzählt sich Geschichten. Sieht man davon ab, die Bandgeschichte mit Kindheitsanekdoten über ums Lagerfeuer springende Blockflötenrowdies auszuschmücken, ist sie schnell erzählt. Die Pilze wurden 2006 vom Saxophonisten Benedikt Reising gegründet und werden sich so schnell nicht auflösen. Auf die Frage warum das so ist, gibt die Band mit ihrem Debutalbum „Wer Sind Die Pilze“ eine klare Antwort.